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Nachrichten > Kultur und Bildung

Sonaten begeisterten das Publikum

(cr) (khm) Am vergangenen Freitag musizierten im Evangelischen Gemeindehaus am Leopoldsplatz vor zahlreichen Zuhörern beim dritten Kammerkonzert der 66. Reihe 2014/15 Jonas Palm (Cello) und Philipp Heiß (Klavier), beide Preisträger der Bundesauswahl ’Konzerte Junger’ Künstler vom Deutschen Musikrat. Auf dem Programm: Sonaten von Schubert, Mendelssohn und Schostakowitsch.

Mit der Sonate für Arpeggione von 1824, einer bald aus der Mode gekommenen Bogengitarre, hat man heute indirekt auch eine Cello-Sonate von Schubert gewonnen. Vom Duo Palm-Heiß an den Konzertanfang gerückt, wurde sie hier eine gelungene „captatio benevolentiae - Werben um die Hörergunst“ mit der Kantabilität und Virtuosität ihrer Darbietung, zu der die Sonate mit Liedmelodik und konzertanten Abschnitten auch reichlich Gelegenheit bot. Auch das in Schuberts Werken oft auftauchende, abgründige Grollen, das zu lieblichem Melodienfluss und brillantem Passagenwerk Kontrast bildet, belebte und variierte durch das einfühlsame Duospiel besonders den ersten Satz und den zweiten wiegenliedartigen in der Mitte, in dem ein geheimnisvolles Seitenthema die idyllische Stimmung aufbrach. Das Schlussrondo mit ausgedehnter Einleitungsthematik, dessen gefälliger Schunkelrhythmus an (damalige) Unterhaltungsmusik erinnern dürfte, war mit hör- und sichtbarer Sympathie musiziert, wozu in den beiden sehr virtuosen Intermezzi das Duo seine spieltechnische Perfektion wirkungsvoll inszenierte. Damit wurde die Schubertsonate auch zu Vorspiel und Vorahnung der folgenden ersten Violoncello-Klavier-Sonate B-Dur (1838) von Mendelssohn.

Dieser hatte so getan, als sei sie ihm das halbstündige Werk von Interesse “eigentlich nur wegen des schönen Umschlags und als Novität - sonst ist wenig daran“. Nach dem Beifall zu schließen, den die Sonate auslöste, kann man das heute schwer fassen. Vielleicht meinte der 29-jährige das, was Schumann so sagte: “Im ersten Aufblühen seiner Jugend arbeitet er teilweise noch unter der Begeisterung Bachs und Beethovens, obwohl bereits Meister der Form und des Kunstsatzes.“ In der Interpretation durch das Palm-Heiß-Duo war aber gerade der brillante Klavierstil in der Art Beethovens zu bewundern, dem sich auch ein virtuoses Cellospiel zur Seite stellte. Was sich in Beethovens fünf Klavier-Cello-Sonaten anbahnte und entwickelte, die instrumentale Gleichberechtigung, ist bei der Mendelssohn-Sonate ebenso deutlich ausgeprägt, zwar meist in Rollenaufspaltung “Kantilene für das Streich- und virtuose Passage für das Tasteninstrument“, aber auch in deren gegenseitiger Teilhabe. Mendelssohns Klavierpart, auf ihn als hochvirtuosen Pianisten zugeschnitten, ist reich an rasanten Triolengängen im ersten Satz und bietet im finalen Rondo dem Duo rasante Intermezzi, die aber auch dem Cellisten zugewiesen sind und von diesem meisterhaft dargeboten wurden. Umgekehrt erklang auch die “singende Thematik“ Mendelssohns eindrucksvoll im Klavier. Den Mittelsatz interpretierte das Duo in gelöst heiterem Scherzando-Ton, von dem sich die Satzmitte durch ein gefühlvolles Cello-Cantabile gefällig abhob.

Anstelle der eigentlich vorgesehenen „Suite italienne“ Strawinskys (1932) musizierte das Duo Schostakowitschs einzige Cello-Klavier-Sonate (d-moll, op. 40 / 1934), eine im Hinblick auf die neoklassizistische Artung beider Werke hinnehmbare Änderung. Das Werk entstand, als in der damaligen Sowjetunion die Formalismusdebatte im Gang war, nach der jede Überbetonung der Form gegenüber dem Inhalt bei Kunstwerken verpönt war, man sich offiziell gegen (hyper)moderne Kunstformen wie Surrealismus, Symbolismus, Zwölftonmusik wandte und jede Ausdrucksform auch in der Musik bekämpfte, die vom Kanon des vorgeschriebenen sozialistischen Realismus abwich. Die ohne jeden Hauch sozialistischer Programmatik, aber auch ohne avantgardistische Kompositionsweise geschriebene Sonate war dennoch ein nicht ungefährliches Wagnis und wird heute wegen ihrer freien Gestaltung durch den großen Komponisten als Meisterwerk gefeiert.
Der erste Satz ist ein empfindsames Stück, in dem der Cellist sein Kantilenenspiel ausleben konnte. Der zweite Satz, dem Charakter nach ein Scherzo, gibt sich als folkloristisches, polterndes Tanzstück und gute Gelegenheit für das Duo, seine musikantische Seite hervorzukehren. Im Kontrast dazu stand das elegisch düstere Largo mit variationenhaften Entwicklungen, bis im Finale, der Form nach einem Rondo mit abwechslungsreichen Episoden, der volkstümlich derbe Tonfall vom Duo wieder aufgenommen wurde, doch nicht mit der lösenden Wirkung, die ein schubertscher Kehraus wohl hätte suggerieren können.

Das Duo bedankte sich für den nicht enden wollenden begeisterten Schlussbeifall mit drei Zugaben: zwei Sätzen aus Schumanns “Stücken im Volkston“ op. 102 und einem beeindruckenden Cello-Solo von Salvatore Sciarrino (* 1947) “Ai limiti della notte - An den Grenzen der Nacht“, ganz beruhend auf Obertönen (Flageolett) und Klangfarben (Bariolage/Variolagium/Abwechslung - schneller Saitenwechsel von leerer Saite und gegriffenem Ton, der zwar identisch ist in der Höhe, aber nicht in der Klangfarbe).

19.03.15

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