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Nachrichten > Kultur und Bildung

Eine überwältigende Erfahrung


Die Schüler des Hohenstaufen-Gymnasiums mit Prof. Dr. John T. Tate und ihrem Mathematiklehrer Dr. Matthias Hauck. (Foto: privat) 

(bro) (mh) „Hi, my name ist John Tate. Can you tell me about your favourite mathematical facts?“ Mit dieser Begrüßung trafen kürzlich eine Schülerin und fünf Schüler des Hohenstaufen-Gymnasiums Eberbach im Rahmen des dritten Heidelberger Laureate Forums auf einen der größten Mathematiker unserer Zeit. Das Laureate Forum findet jährlich statt und bietet den berühmtesten Mathematikern und Informatikern der Welt eine Woche lang einen Ort zum gegenseitigen fachlichen Austausch. Hierbei sind alle Teilnehmer Träger der bedeutendsten mathematischen Auszeichnungen wie zum Beispiel der Fields Medaille oder des Abel Preises. Letztere sind vergleichbar mit dem Nobelpreis, der allerdings in der Mathematik nicht verliehen wird.

Im Rahmen dieser Veranstaltung kam es zu einem Treffen zwischen den Wissenschaftlern und ausgewählten Schülergruppen. Auf diese Weise hatten die Eberbacher Schüler die Möglichkeit, sich zwei Stunden lang mit Prof. Dr. John T. Tate von der Harvard University auszutauschen. Dessen mathematisches Lebenswerk, für das er unter anderem den prestigeträchtigen Abel-Preis erhielt, ist herausragend. Unter anderem haben seine Arbeiten in der Zahlentheorie eine fundamentale Bedeutung für die Entwicklung der gesamten modernen Mathematik.

Den Schülern präsentierte sich John Tate als ein ganz bescheidener Mann. Er war fasziniert, dass die Schüler sogar in ihren Ferien nach Heidelberg an die Universität kamen, nur um ihn zu treffen. Sofort begann er über seine Leidenschaft, die Mathematik, zu reden. So sprach er mit der Schülergruppe über Primzahlen, pythagoreischen Zahlentripeln, rationale Punkte auf elliptischen Kurven und vieles mehr. Alle Aussagen konnte er wie selbstverständlich an der Tafel beweisen.

Im Anschluss wurde es persönlicher. Tate gab einen Einblick darüber, wie er zur Mathematik kam. Berichtete, dass er zu Beginn seiner Karriere dachte, es sei bestimmt nett, junge Menschen in Mathematik zu unterrichten und nie davon ausging, jemals etwas Bedeutendes beweisen zu können. Darüber hinaus gab er den Schülern den Tipp, nicht zu fixiert auf einzelne Kurse und Abschlüsse zu sein, sondern während ihrer Schulzeit und zu Beginn ihres Studiums sich lieber die Zeit zu nehmen, auch über den Tellerrand zu schauen und anhand von diversen Büchern und persönlichen Erfahrungen sich zunächst einmal darüber klar zu werden, worin ihr wahres Interesse liege.

Am Ende erzählte Tate, dass er nun mit über 90 Jahren endlich aufgehört habe, Vorlesungen zu halten und überreichte der Gruppe ein handsigniertes Exemplar seines neusten Buches. Der Erfahrungsaustausch mit einem so bedeutenden Mathematiker war eine überwältigende Erfahrung nicht nur für die Schüler, sondern auch für ihren Lehrer Dr. Matthias Hauck, der das Treffen arrangierte und die Gruppe begleitete.

04.09.15

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