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Mit viel Lärm wurde es auf der Höhe feurig


(Fotos: Thomas Wilken)

(tom) Im zweiten Versuch klappte es hervorragend. Bogenschütze Michael Dorsch entzündete am vergangenen Samstag mit Feuerpfeilen das Rothenberger Lärmfeuer. Vor zwei Jahren war der Versuch noch fehlgeschlagen. Dieses Mal hatte der 54-Jährige aus Groß-Heubach „aufgerüstet“ und andere Pfeile dabei. Vor einer großen Menschenmenge brachte er den großen Haufen aus aufgeschichteten, dürren Weihnachtsbäumen in Brand. Viele Ahs und Ohs begleiteten das Spektakel.

Der Begriff „Lärmfeuer“ war durchaus wörtlich zu nehmen: Laut prasselnd, Funken sprühend und mit dichtem Qualm verkündeten die Bäume von der Rothenberger Höhe aus den Beginn des feurigen Spektakels. Die Feuerwehr beteiligte sich zum achten Mal an der odenwaldweiten Aktion, deren Ursprungsgedanke bereits den Römern zugeschrieben wird.
Dorsch ist seit 2010 beim KKSV Trennfurt aktiv. Er schoss an diesem Abend mit einem selbst gebauten Esche-Flachbogen, den er in einem Bogenbaukurs herstellte. „Das ist hier etwas Besonderes“, meinte der 54-Jährige mit Blick auf das herrliche Ambiente mit den vom Sonnenuntergang noch zart beleuchteten Odenwald-Hügeln. „Die Pfeile müsse in punkto Zugkraft immer zu Bogen passen“, erläuterte er. Seine jetzigen waren für einen 50- bis 55-Pfund-Bogen ausgelegt.

Dass er die richtigen gewählt hatte, zeigte sich an dem sanften Prasseln, das schon nach dem ersten Schuss einsetzte. Noch ein paar Pfeile und schlagartig brannte plötzlich der ganze Haufen lichterloh. Die hell lodernden Bäume schufen ein fast schon magisches Bild an diesem Flecken, wo es außer wenigen Gebäuden praktisch nicht gibt - außer freie Natur.

Bei herrlichen Wetter wurden die Floriansjünger von den Besuchern fast überrannt. Mehrere hundert Gäste waren es am Abend, die sich das Schauspiel auf dem 470 Meter hohen Hügelrücken zwischen Beerfelden und Hirschhorn nicht entgehen lassen und gleichzeitig die Gastfreundschaft der Feuerwehr genießen wollten. Schon zeitig gab es kaum noch Sitzplätze im eng bestuhlten Feuerwehrhaus, das zu diesem Zweck von den Fahrzeugen „befreit“ worden war.

Den Feuerwehrleuten ist dabei wichtig, dass es „kein normales Grillfest“ ist, sondern dem Event ein besonderer Charakter zukommt. Deshalb erwarteten im beheizten Feuerwehrgerätehaus Jugendfeuerwehr und Einsatzabteilung die Gäste mit zünftigen Speisen. Als Spezialität aus der germanischen Provinz gab es an diesem Abend „Salzfleisch mit Erdrüben“, dazu natürlich auch klassische schmackhafte Gerichte wie Kartoffeln mit Quark, Steak oder Bratwurst – aber die vom mit Holzkohle befeuerten Schwenkgrill.

Zu der Großveranstaltung ist so gut wie die gesamte Rothenberger Ortsteil-Feuerwehr auf den Beinen. Schon Ende des vergangenen Jahres gingen die Vorbereitungen fürs Lärmfeuer los, nach Fastnacht folgten die Detailplanungen. Am Tag selbst ist dann die komplette Jugendfeuerwehr mit über 25 Mitgliedern im Einsatz und kümmert sich um das Wohl der Gäste. Die Mitglieder der Einsatzabteilung rücken bereits morgens an und erledigen 15 Mann stark den Aufbau. Nicht zu vergessen die Jugendbetreuer. Geplant wird alles vom Jugendausschuss.

Für die Kinder war die Veranstaltung ein großes, beeindruckendes Spektakel. Das archaische Element Feuer hat seine ganz eigene Magie. Die Kleinen schauten nicht nur fasziniert zu, wie sich die warmen, hellen, prasselnden Flammen immer weiter in die Christbäume hineinfraßen, die die Jugendfeuerwehr Anfang Januar eingesammelt und dann neben dem DRK-Heim zwischengelagert hatte. Für sie gab es daneben auch mit einbrechender Dunkelheit eine Fackelwanderung über die Felder und Wälder auf der Höhe. Dutzende Kinder waren mit ihren Eltern dieses Mal unterwegs.

Als das Feuer langsam am Niederbrennen war, schlug die große Stunde des Feuerkünstlers Jeremy. Der Gammelsbacher Ralf Breitinger ist mit seiner Show bereits regelmäßiger Gast beim Lärmfeuer. Ein großer Kreis bildete sich schnell um seine Darbietung, wenn er mit brennenden Reifen, Stühlen, Fackeln oder Diabolos jonglierte. Krönender Abschluss dabei natürlich die meterhohe gespuckte Flamme.

Das Lärmfeuer hat ein lange Tradition: In früheren Zeiten war es ein nützliches Instrument, um schnell über große Entfernungen vor Gefahr etwa im Falle eines Angriffs warnen zu können. Die deutschen Wörter Lärm und Alarm kommen vom französischen „all‘armes“, was „zu den Waffen“ bedeutet. Im Odenwald sollen Lärmfeuer schon von den Römern gezündet worden sein: Zur Warnung vor dem Feind, der aus dem Westen drohte, haben sie während der Zeit der germanischen Provinz (1.-4. Jahrhundert n. Chr.) aller Wahrscheinlichkeit nach eine bemannte Signalkette vom Rhein bis zum Limes unterhalten. Der Limes verläuft im östlichen Odenwald, er zieht sich von der Wetterau über den Main bei Obernburg und über den Höhenzug von Lützelbach im Norden bis Schloßau im Süden und weiter Richtung Bad Wimpfen. Er war jedoch nur von ca. 110 bis 160 n.Chr. besetzt und wurde dann weiter nach Osten verlegt.Die einzelnen Veranstaltungsorte der Lärmfeuers, etwa 30 an der Zahl, erstrecken sich über ein Gebiet von etwa 8.000 Quadratkilometern vom Rhein bis ins Herz des Odenwaldes und bilden dadurch die „weltgrößte Open-Air-Veranstaltung“. Mit dem Lärmfeuer-Projekt wird der Versuch unternommen, eine historische Kommunikationsmethode vor dem Vergessen zu bewahren.

26.03.18

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